24.12. – Feliz Navidad

Feliz Navidad.

Heute ist Weihnachten. Beim öffnen der Balkontür strahlt die Sonne, hell und warm.

Nach einer oken Nacht alles wieder in den roten Packsack gepackt, der am Abend schon gerissen war, aber nach dem zurollen immer noch funktioniert.

Frühstück gut. Ordentlich zugeschlagen, auch Schokocroissants gabs wieder, super. Nach den Deutschen fallen mir auch besonders viele Japaner auf, die reisen ja auch gern und viel.

Das Hotel war natürlich taktisch klug gebucht, eine halbe Stunde sollte es zu Fuss sein zum Bikeverleih.

Entlang der Strandpromenade, wenig Wind, viel Sonne, gefühlte 18 Grad, guter Start. Dann wurde mir bewusst das ich am berüchtigten Ballermann langschlender. Saisonal bedingt nicht viel los. Diesmal lang die Deutschenquote bei über 92%, ganz ganz sicher.

Beim Bikeladen angekommen, höflich wie man ist, erstmal mit Englisch anfangen, was aber direkt mit „wir könn auch Deutsch reden“ gekontert wurde.

Cooler Typ, Name weiß ich nich, ursprünglich aus Hamburg vor 12 Jahren hier den Laden aufgemacht, läuft.

Meinen mitgebrachten Terrysattel montierte er gleich und ein paar Reisetipps gabs auch, alles ganz unkompliziert.

Das Bike ist schick, KTM in Orange, Full-Carbon mit Disk und Di2, was will man mehr. Mache auch noch ne Review zum Bike demnächst. Rahmen gabs nur als 55er, wollte mal probieren wie sich das fährt – und, erstaunlich gut. Scho ein bisschen Angst da daheim nur 56er stehn… ma sehn.

Gepäck habe ich dann nach mehrmaligem Umpacken und kompremieren in das Handlebar- und Sattlepack bekommen.

Achtung Werbung.

Hab die beiden Teile mal günstig bei Amazon geholt, Chinamarke „Roswheel“ – das vordere Teil wurde auch scho mal bei ner YouTube Rezension für nich so toll befunden, hält nich so gut. Zum Glück war ich gestern in nen 1€ Laden und hab mir ein Kofferband geholt. Optisch eine Sünde aber bevor mir das Pack während der Fahrt auf den Vorderreifen fällt lieber so.

War auch zu Beginn etwas skeptisch. Hat aber den ganzen Tag gehalten, auch wenns ma bumpy wurde.

Los gings Richtun Süd-Ost Ost. Erst noch entlang der Promenade, etwas hügelig war es schon, dann durch Ortschaften, direkt mit Blick aufs Meer. Von dort ging es dann ab auf die Bundesstraße MA6014. Schon etwas mehr los an Autos, aber meist mit dem netten halben Standstreifen oder partziell auch Radwegen. Ziel – Santanyi.

Über Ses Palmeres, Badia Blava, Tolleric Richtung Cala Pi, wobei es da dann wieder inländiger wurde.

Von der 6014 dann rechts ab auf die 6015, mit kleinen Abbiegeschwierigkeiten, wieder Richtung Süden gen Meer.

Bis es nich mehr geht und links rein in S‘Estanyol de Migjorn. Irgendwie nett der Ort, mit rotem Radweg und Drempeln direkt an der steinigen Küste. Der Umweg hat sich gelohnt. Das war dan die MA603, was MA wohl bedeuten?

Erst weiter gen Campos, schnell Rechts wieder auffe 6014, nicht über Los aber El Palmer steht am Straßenrand, nu mal endlich auch etwas Wind.

Kleiner Abstecher nach Colonia del Sant Jordi. Wirklich ein besonders Örtchen an der felsigen Küste – Geisterstadt – vielleicht 3 Leute gesehen, Tendenz Deutsch bei Zweien. Hier auch ein paar Fotos below. Immer noch warm und sonnig by the way.

Von hier ging es dann mehr oder weniger gerade aus nach Santaniy, wellige enge Fahrbahn, auch die Umgebung nun etwas anders, grasiger ist ein guter Begriff.

Eigentlich, dachte ich, ich bin am Ziel in Santaniy, wurde dann aber enttäuscht, das Hotel lag doch noch ein Stück weiter südlich, in Cala Figuera, schöner Name.

6km weiter passiere ich das Eingangsschild, klein hier. Vorne links ist ein Nachbarschaftsfest oder so. Ach ja, es ist ja Weihnachten, erinnere ich mir, musikalisch kommt das hin was von dort rüberschwappt.

Hier sollte das Hotel sein. Fahre einmal vorbei, zweimal, alles dunkel da. Mal hoch auf die Terrasse. Ein Zettel hängt dort, Enrique anrufen. Gelesen getan. Nu doch langsam müde und hungrig, 90km warns laut meiner Vivo.

Enrique geht ran und sagt er ist in drei Minuten da, nach 10 trifft er ein, großer Typ, hat meine Buchung nicht gesehen, da ich erst gestern gebucht hab, Frühstück gibts morgen auch nich, Küche ist zu, naja.

Zimmer geräumig, so gar nich wie auf den Fotos bei Booking.com, respekt Herr Fotograf.

Hunger. Mal zum Hafen, da muss es doch was geben. Leider nein. Alles zu. Nun ist es schon dunkel, Menschen trifft man nicht. Gar keine. Zwei deutsche Damen die auch verzweifelt Nahrung suchen kreuze ich. Nach 40 Minuten gebe ich fast auf – da schimmert was am Ende der Straße, soll dies wohl möglich eine Bar oder gar ein Restaurant sein? Hunger. Schwache Beine.

Ja eine Art Bar, Bewegungen da drin stimmt mich optimistisch. Vor der Tür – „Weihnachtsferien“ in Deutsch. Dann halt nicht.

Essen muss ich, das heißt zurück nach Santaniy, 5km durch die Nacht am Randstreifen. Licht hab ich ja. Geht immer noch gut mit dem Treten, besser als laufen. Obwohl Knie merk ich nu schon.

Angekommen im „Centro“, das ist eine Stadt im Vergleich wo ich grad wohne. Sehr historischen hier, kleine Gassen. Schön, aber n offenes Restaurant? Leider nein.

In einer Seitenstraße eine Art Bäcker – hat offen, juhu. Kaufe für 10€ Croissants, auch Schoko, Blätterteiggedöhns, wenn ich nichts mehr find auch lecker.

Dabei blieb es dann, zurück nach Cala Figuera. Schöner Name.

Endlich essen. Und trinken, Cola, Wasser, Cola.

Jetzt ma duschen – da war ja was, kein heißes Wasser, es wollte wer kommen das fixen. Leider nicht. Katzenwäsche und noch das Schokocroissant. Reicht ja.

Das Vorurteil der Partyinsel hat sich ganz schnell aufgelöst.

Morgen gehts nach Cala Agulla im Norden. Hoffe da gibts auch ein offenes Restaurant oder Ähnliches am 1. Weihnachtsfeiertag. We will see. Wetterprognose: so wie heude, ole.